Museumskonzept

 

Museumskonzept

Das Gerhard-Marcks-Haus in Bremen ist ein Museum für moderne und zeitgenössische Bildhauerei. Es zählt zu den national und international anerkannten Bildhauermuseen.

Hier werden Sonderausstellungen zur Geschichte und Gegenwart der Bildhauerei gezeigt, die beweisen, dass Skulptur ein lebendiges Medium ist. Gegründet als eine „Einkünstlersammlung“ hat sich das Museum kontinuierlich weiterentwickelt.

Bildhauerei braucht Tageslicht

Untergebracht wurde die Stiftung im Jahre 1969 in der ehemaligen Ostertorwache neben der Kunsthalle Bremen, die zu diesem Zweck von dem Architekten Bert Gielen umgebaut wurde. Museologische Überlegungen im heutigen Sinne spielten dabei eine geringe Rolle. Busch und Marcks waren der Meinung, dass Bildhauerei Tageslicht brauche. Personell wurde die Gerhard-Marcks-Stiftung an die Kunsthalle angebunden. Der Direktor Günter Busch war auch Direktor dieses Museums. Für die Betreuung der Sammlung wurde eine Kustodenstelle geschaffen. Mitte der 1980er-Jahre wurde das Museum unabhängig. Dr. Martina Rudloff leitete das Museum von 1971 bis 2000, fast 30 Jahre. Sie hat das Museum in diesen Jahren geprägt und kontinuierlich weiterentwickelt.

Als das Gerhard-Marcks-Haus 1971 eröffnet wurde, ist das Ziel formuliert worden, dort nur Werke von Marcks zu präsentieren. Damit sollte den Besuchern die Möglichkeit geboten werden, „sich ganz in ein Künstlerwerk hineinzudenken, es in seinem Umfang und Gehalt zu erleben“. Arbeits-schwerpunkt der ersten Jahre war die Vorbereitung und Herausgabe eines Werkverzeichnisses. 1977 erschien das Werk mit einer ausführlichen Einführung von Günter Busch und einem von Martina Rudloff verfassten wissenschaftlichen Werkverzeichnis. Dieses Werkverzeichnis setzte für viele Jahre den wissenschaftlichen Standard für den Umgang mit Bildhauerei.

Die Idee, das Gerhard-Marcks-Haus mit Ausstellungen von einem einzigen Künstler zu bespielen, wurde 1977 aufgegeben. Neben das Werk von Gerhard Marcks ist seit den 80er-Jahren die Erforschung und Präsentation der gesamten Bildhauerkunst des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart getreten. Auf diese Weise sind die Voraussetzungen für die Entwicklung eines modernen Bildhauermuseums geschaffen worden. 1990/91 wurde das Haus um einen Anbau erweitert. Ebenfalls 1991 konnte von der Stadt der sogenannte Pavillon – ursprünglich eine 1904 erbaute, öffentliche Bedürfnisanstalt – auf dem Grundstück des Gerhard-Marcks-Hauses hinzugewonnen werden.

Die Bildhauerei als Gattung

In den letzten Jahren konnte der Sammlungsbestand durch weitere Erwerbungen, unter anderem den Nachlässen des Berliner Bildhauers Waldemar Grzimek (1918–1984) und Gerhart Schreiter (1909–1974), bereichert werden.

1981 verstarb Gerhard Marcks. Nun kamen über die Nachlassverwalter Teile des Nachlasses, darunter der Zeichnungsschrank aus dem Atelier des Künstlers, in das Museum. Mit 12.000 Zeichnungen eines einzigen Künstlers gehört das Museum zu den größten öffentlichen „Einkünstlersammlungen“ weltweit.

Ihre Abschiedsausstellung nannte Martina Rudloff „Hommage à la sculpture“, ohne dass darin Gerhard Marcks eine Rolle spielte. Die Bildhauerei als Gattung war zum Thema des Museum geworden. Unter Jürgen Fitschen, der das Museum von 2001 bis 2009 leitete, wurde dieser Weg konsequent weitergeführt.

2009 wurden zwei Änderungen in die Organisation eingeführt: erstens wurde ein wöchentliches Treffen aller Mitarbeiter eingeführt, um das Bewusstsein für Teamarbeit zu stärken, und zweitens gab es von nun ein „Missionstatement“, das für alle Aktivitäten des Museums Gültigkeit haben sollte: „Das Gerhard-Marcks-Haus will mehr Menschen für (figürliche) Bildhauerei begeistern. Es vertritt einen transparenten auf kunsthistorischen Kenntnissen gründenden Qualitätsbegriff und schließt niemanden aus. Aus dem Missionstatement entwickelte sich schließlich das Leitbild.

Seit 2009 spielt die kunsthistorische Forschung auch in der Außendarstellung des Museums eine größere Rolle. Komplexe wissenschaftliche Projekte wie„ Hans Arp. Eine Bestandsaufnahme“ (2011) und „Gerhard Schreiter. Gestalter des Alltags“ (2014) sind grundlegende historische Werke, mit der das Museum seine Position als spezialisiertes Bildhauermuseum stärkte.

Waldemar Grzimek, Schwebende III, 1978, Bronze

Bruno Gironcoli, Ohne Titel, 1992/95, Aluminium