Im und um das Gerhard-Marcks-Haus (und im benachbarten Garten des Restaurants „La Villa“) stehen einige Werke von Gerhard Marcks (und Waldemar Grzimek, 1918–1984). Vier Werke verdienen besondere Beachtung. Die „Betende“ von 1928 entstand in Halle aus den Resten der alten Kröllwitzer Brücke und war von Marcks ursprünglich als ein Kriegsdenkmal (eine Flehende) gedacht. Sie stand bis 1933 im Innenhof des Museums Moritzburg in Halle. Die „Eos“ (1964) an der Wand des Museums ist eine der größten Figuren des Künstlers und sie zeigt, wie er mit dem antiken Erbe arbeitet. „Eos“ ist die Morgenröte, die den Tod ihres Sohnes beweint. Ihre Tränen sind der Tau des Morgens. Der über klassische Bildung vermittelte Verweis auf den Tod eines Sohnes und der Trauer der Mutter wird heute nicht mehr wahrgenommen. Die Arbeit „Erledigt“ (2018) von Uwe Schloen (1958–2024) darüber ist ein Kommentar auf diese Tatsache und umgekehrt ein Ansporn darüber nachzudenken, wie ein Museum mit seiner Sammlung in der heutigen Gesellschaft Ressource sein kann. So betrachtet ist auch der kleine „Schämer“ (2012) von Eberhard Szejstecki (geb. 1958) ein Kommentar auf die Bildungssituation.
Die „Bremer Stadtmusikanten“ sind Gerhard Marcks berühmtestes Werk. Es entstand aus einer Initiative von Günter Busch, dem damaligen Direktor der Kunsthalle Bremen, der anstelle des Rolands ein neues Wahrzeichen für die Stadt vorschlug. Die zweite für Marcks in Bremen wichtige Person war der Architekt Bert Gielen, der um 1970 auch das ehemalige Akzisehaus am Ostertor zu einem Museum umbaute. Gielen, war auch Mitinitiator des „Rufers“ (1967) für Radio Bremen, der heute vor dem aktuellen Standort des Senders an der Weser steht. Mit der „Aegina“ (1966) auf dem Theaterberg in den Wallanlagen besitzt Bremen ein drittes ebenfalls speziell für die Stadt gemachtes Werk des Bildhauers.
1928 schuf Marcks für die neugebaute Kröllwitzer Brücke in Halle zwei riesige Tierskulpturen: Kuh und Pferd. Sie gehören zu den wenigen modernen Skulpturen aus den 1920er-Jahren, die die NS-Zeit und den Zweiten Weltkrieg überstanden haben. Nach 1945 galt Marcks als derjenige, der die moderne Tradition auch unter den schweren Bedingungen des „Dritten Reichs“ fortgeführt hatten, sodass er bereits 1949 als deutscher Vertreter in Philadelphia (USA) ausgestellt wurde. Seine „Maja“ (1942) wurde damals angekauft und vor einigen Jahren restauriert und neu aufgestellt. Marcks war daneben in der Bundesrepublik ein vielgefragter Künstler für Kriegsdenkmäler. Von ihm stammen große Kriegsdenkmäler in Köln (1949), Hamburg (1951), Mannheim (1952), Osnabrück (1963) und das Mahnmal in der deutschen Kriegsgräberstätte Bourdon (1964). Berühmt ist auch sein „Wiehender Hengst“ in Aachen (1961), das Symbol der Reiterstadt.
Ein besonderer Fall ist sein „Rufer“, der ursprünglich als Zeichen für Radio Bremen entstand. Inzwischen stehen weitere Güsse der Figur in Berlin in der Nähe des Brandenburger Tors, wo sie Freiheit gemahnt und u. a. in Perth (Australien), wo sie im Namen der weltweiten Folteropfer ruft.


