2011 kam ein Restnachlass des Bildhauers Ernst Gorsemann in das Gerhard-Marcks-Haus. Wie kaum ein anderer Bildhauer hat er das Stadtbild Bremens während und nach der NS-Zeit geprägt. Von ihm stammen in den Wallanlagen der Rehbrunnen (1933), das Denkmal auf der Altmannshöhe (1933-1936, Mutterfigur restauriert 1960), der Berliner Bär (um 1937, aufgestellt 1950) und der 1940 aufgestellte Wisent (von 1931) im Rhododendronpark. Sein Werk zwingt zu einem differenzierten Blick auf die Skulptur dieser Zeit. Gorsemann führte einen für die 1920er-Jahre typischen vereinfachten Klassizismus weiter, mit dem er sich vor allem in militärischen Kreisen einen Namen machte. Da die meisten soldatischen Denkmäler aus den 1920er-Jahre nicht erhalten sind, sieht es heute aus, als wäre diese Bildhauerei 1933 aus dem Nichts gekommen, aber sie besitzt eine eigene Tradition, die auf das späte Kaiserreich zurückgeht. Gorsemann gab der ideologischen Ausrichtung der als nationalsozialistische Modellschule geplanten Nordischen Kunstschule auf die norddeutsche Landschaft einen entscheidenden Impuls durch die Fokussierung auf Sandstein und vor allem Ton (Keramik). Nach 1945 war der Bildhauer, der mit Bürgermeister Wilhelm Kaisen befreundet war und nie Mitglied der NSDAP gewesen war, weiterhin eine angesehene Person in Bremen.
Biografie
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1886 | Geboren in Bremen, Ausbildung als Maurer |
| Seit 1905 | Aktivität als theosophischer Redner |
| 1910–1913 | Bildhauerausbildung an der Kunstakademie in Kassel |
| 1913–1914 | Meisterschüleratelier bei Louis Tuaillon in Berlin |
| 1914–1916 | Als Sanitäter im Ersten Weltkrieg |
| 1916–1918 | Gestaltung von Soldatengräbern in Rumänien |
| 1919–1933 | Freischaffender Bildhauer in Berlin |
| 1933 | Berufung an die neu gegründete Nordische Kunstschule in Bremen, zeitweise ihr Direktor |
| 1945 | Direktor der Staatlichen Kunstschule Bremen, 1947 in den Ruhestand versetzt |
| 1960 | Gestorben in Bremen |
