Seit 2009 befindet sich der Nachlass von Gerhart Schreiter im Gerhard-Marcks-Haus. Er umfasst rund 230 kleinplastische Werke von der Plakette bis zur Statuette, ca. 6.000 Zeichnungen sowie etliche Gips- und Wachsmodelle.
Mit einem Schaffensschwerpunkt in den 1950er- und 1960er-Jahren nahm er maßgeblich am Wiederaufbau und Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg teil. Diese positive Aufbruchsstimmung ist auch an seinen Kleinplastiken abzulesen. Bevorzugt erzählen sie aus dem täglichen Leben, in dem sich der Bildhauer als ein genauer Beobachter erwies: Mutter mit Kindern, Genreszenen und Fahrrad fahrende Menschen. Letztere wurden zu seinem Markenzeichen.
Schreiters Werk gehört einem gemäßigten Modernismus an, wie er in Europa für diese Zeit typisch war. Er verband die Berliner Tradition, die die tektonischen Gesetzmäßigkeiten der menschlichen Figur untersuchte, mit neuen, vor allem englischen Einflüssen. Seine bildhauerischen Fragen kreisen dabei um die Begriffe Volumen, Raum und später die strukturelle Auflösung der Oberfläche. Die Figur blieb für ihn maßgeblich, jedoch fand er für öffentliche Aufgaben seit den späten 1960er-Jahren zu rein abstrakten Lösungen.
Biografie
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1909 | Geboren in Annaberg Buchholz/Erzgebirge |
| 1924–1935 | Handwerkslehre als Graveur, Besuch von Fachschulen und Ausübung des Berufs |
| 1935–1937 | Studium an der Kunstakademie Düsseldorf |
| 1937–1943 | Studium der Bildhauerei an der Hochschule für bildende Künste in Berlin |
| 1950 | Erster Georg-Kolbe-Kolbe Preisträger |
| 1952 | Kunstpreis der Stadt Berlin |
| 1952 | Corneliuspreis der Stadt Düsseldorf |
| 1956–1974 | Lehrer an der Staatliche Kunstschule Bremen (heute Hochschule für Künste) |
| 1974 | Gestorben in Bremen |
Zahlreiche Aufträge für den öffentlichen Raum Bremens

