Mit 66 plastischen Arbeiten und128 Blättern Grafik kam 2011 der künstlerische Nachlass der Bildhauerin Hanna Koschinsky in die Sammlung des Gerhard-Marcks-Hauses. Dazu wurden zahlreiche ihrer (zum Teil verschollenen) Plastiken, dokumentierende Fotografien und Dokumente dem Museumsarchiv übergeben. Der Nachlass war unter anderem ein Auslöser dafür, dass sich das Gerhard-Marcks-Haus der Sichtbarkeit von Bildhauerinnen widmete, ein Thema, das zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Fokus der Kunstgeschichte war.
Zu dem Konvolut gehören mit der „Frau mit Blume“ (1908) und der „Sitzenden Frau“ von 1912 zwei wichtige Hauptwerke aus dem frühen Œuvre der Künstlerin, die besonderes für ihre Zeit in Paris und ihre damit verbundene Ausstellungspräsenz wichtig sind. In Paris griff Koschinsky die aktuelle Frage in der Bildhauerei nach der Vereinfachung der Form auf und lernte ihre Zeitgenossen Auguste Rodin (1840–1917), Aristide Maillol (1861–1944), Wilhelm Lehmbruck (1881–1919) und Bernhard Hoetger (1874–1949) kennen. Ab 1911 nahm sie am »Salon d’Automne« teil und stellte in Galerien aus. Al der Erste Weltkrieg ausbrach kehrte die Bildhauerin zurück nach Deutschland. 1916 zog Koschinsky nach Oslo und nahm ein Studium an der dortigen Akademie auf. Zu diesem Zeitpunkt konnte sie bereits auf erfolgreiche Jahre als Bildhauerin zurückschauen und stellte trotzdem in Norwegen nicht aus, nahm auch nicht an Wettbewerben teil, sondern arbeitete kunstgewerblich an Gartenskulpturen und Illustrationen. Auf ihren in Paris gefundenen Stil sollten diese Arbeiten keinen Einfluss haben. Erst ab 1925, als sie im Anschluss an einen Aufenthalt in Breslau nach München kam, änderten sich ihre stereometrischen Arbeiten hin zu einer expressiven Formensprache mit überlängten Figuren und akzentuierter Gestik.
Biografie
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1884 | geboren in Breslau (Deutsches Kaiserreich) |
| 1900–1904 | Ausbildung in Bildhauerei und figürlichem Modellieren an der Kunst und Kunstgewerbeschule, Breslau |
| 1909–1914 | lebte und arbeitete sie in Paris |
| 1914 | Umzug nach Berlin, Atelier im Berliner Atelierhaus Siegmunds Hof 11 in Nachbarschaft von Käthe Kollwitz (1867–1945) |
| 1916 | Umzug nach Norwegen und Studium an der Kunstakademie Oslo (1917/18) |
| 1919 | Rückkehr nach Breslau |
| 1925 | Umzug in die Künstlerkolonie München-Gauting |
| 1938 | Reisen nach Malaysia, Java und Bali |
| 1939 | stirbt in Gauting |
