Wolfgang Kuhle ist ein heute eher unbekannter Vertreter der Dresdner figürlichen Tradition. Das hat sehr stark damit zu tun, dass seine Ehefrau Fridrun (geb. 1940) und er, die zusammen um 1970 als Ausstellungsorganisatoren eine Rolle im Kunstleben der Stadt gespielt hatten, sich in den frühen 1980er-Jahren gegen ein Leben in der DDR entschieden. Damit verschwand ihr Name aus der Geschichte.
Kuhles bildhauerisches Thema ist der Torso, aber im Gegensatz zu seinen Berliner und Dresdner Zeitgenoss*innen geht es in seinem Werk nicht um den dramatischen, leidenden Körper, sondern eher um die Architektur des menschlichen Rumpfs ohne Glieder und Kopf. Jede noch so kleine Wölbung oder Mulde kann ein Akzent sein, der sich zu anderem in der Komposition verhält. Das Gerhard-Marcks-Haus besitzt neben einer Reihe von Zeichnungen, die das Interesse des Künstlers für Kalligrafie zeigen, eine Werkgruppe von seit 1972 auf Usedom entstandenen Torsi aus Treibholz, die zeigen, wie Kuhle gefundenes Material und figürlicher Bildhauerei verbindet.
Biografie
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1944 | Geboren in Reichardtsdorf (Thüringen) |
| 1950–1957 | Lehre als Modelltischler und anschließend Besuch der „Arbeiter-und-Bauern-Fakultät“ in Dresden, die Arbeiter und Bauern und ihre Kinder (Kuhle stammt aus einer Familie von Bergleuten) auf ein Hochschulstudium vorbereiten sollte |
| 1959–1964 | Bildhauereistudium an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) in Dresden bei Walter Arnold und Hans Steger |
| 1970–1977 | Lehrauftrag an der HfBK in Dresden |
| 1979–1982 | Künstlerische Leitung der Bildhauerarbeiten beim Wiederaufbau der Semperoper, Dresden |
| 1982 | Einreichung eines Ausreiseantrags |
| 1986 | Umzug nach München |
| 1988–1993 | Mitarbeiter des Instituts für elementares Formen der TU Braunschweig |
Wolfgang Kuhle lebt in Ducherow (Mecklenburg-Vorpommern)
