Gerhard-Marcks-Haus Vorschau

 

Hanswerner Kirschmann

Plattengrammatik

Hanswerner Kirschmann

Geplantes und Nicht-Planbares verbindet sich in Hanswerner Kirschmanns Bildhauerei und seine Arbeiten sind keine »schau mal hier, wie schön ich bin«-Kunst, sondern er entwickelte in über 25 Jahren eine eigene Bildsprache, die abstrakt und persönlich ist.

Geplantes und Nicht-Planbares verbindet sich in Hanswerner Kirschmanns Bildhauerei und seine Arbeiten sind keine »schau mal hier, wie schön ich bin«-Kunst, sondern er entwickelte in über 25 Jahren eine eigene Bildsprache, die abstrakt und persönlich ist. Die Traditionen, an die sie anknüpft und die sie aufruft, sind vielfältig: gestische Abstraktion, Minimal Art oder monochrome Malerei. Kirschmanns Werke aus unbearbeiteten Spannplatten changieren zwischen Zeichnung und Bildhauerei. Es ist eine Kunst, die davon bestimmt wird, dass sie sich aus Flächen heraus entwickelt und sich nie frei in alle Richtungen entfalten kann. Kirschmann gehört zu denjenigen Künstlern, die permanent Grundlagenforschung betreiben und genaustens untersuchen, wie das Verhältnis zwischen Fläche und Volumen, zwischen Volumen und Raum und zwischen Raum und Betrachter*in ist.
Die Ausstellung im Gerhard-Marcks-Haus dokumentiert die Entwicklung Kirschmanns Bildsprache und macht nachvollziehbar, wie der Künstler die Beziehungen zwischen den Elementen in unterschiedlichen Maßstäben und den vielen Zwischenräumen austariert. Zur Ausstellung erscheint ein Werkverzeichnis der ortsbezogenen Installationen des Künstlers, mit der Präsentation im Gerhard-Marcks-Haus als Abschluss.

 


links: Hanswerner Kirschmann, o. T., 2003, Sperrholz, Schrauben

 

Margaret Kelley

Raketenzimmer

Margaret Kelley

Eine Amerikanerin im Norden Deutschlands: Über Grenzerfahrungen und Kulturen, die Sprache der Farben, Empfindung und Wahrheit, Richtung und Verwicklung des Lebens, das Sein und wie es sein könnte, über Last und Abgrund.

Eine Amerikanerin im Norden Deutschlands: Über Grenzerfahrungen und Kulturen, die Sprache der Farben, Empfindung und Wahrheit, Richtung und Verwicklung des Lebens, das Sein und wie es sein könnte, über Last und Abgrund. Margaret Kelley (geb. 1954) gehört zu den bedeutenden Malerinnen in Norddeutschland. Seit über zwanzig Jahren lebt und arbeitet sie in Bremen und Worpswede und hat in dieser Zeit ein Werk hervorgebracht, das die Unmittelbarkeit des Abstrakten Expressionismus in den Vereinigten Staaten von Amerika und die emotionale Tiefe des europäischen Informel in einzigartiger Farbfeldmalerei und persönlicher Sprache der Zeichen miteinander in Einklang bringt. Kelleys Gesamtwerk ist gewaltig und komplex: ein eigenes Universum.

Im Gerhard-Marcks-Haus zeigt die Künstlerin eine Auswahl aus ihrem Raketenzyklus, (Gemälde, Zeichnungen, Installationen, Objekte, Bücher) den sie in den Jahren 1983-84 schuf. In der ersten Serie von Gemälden entdeckte Kelley die Form einer Rakete und machte sie zum Thema. Es entstanden Raketen, die versuchten, sich als etwas anderes zu tarnen als das, was sie waren. Irgendwann erklärte die Malerin die Raketen für heilig oder »scheinheilig« und damit für unschuldig. Sie folgten einfach ihrer Natur, ohne zu wissen, welchen Schaden sie angerichtet hatten oder anrichten könnten. Eine Serie von »Die Legende der heiligen Raketen« umfasste Altarbilder, Raketen mit ihren Jüngern.


links: Margaret Kelley, Raketenzimmer, 1987, Acryl, Collage, Holz

 

Erika Plamann

Die phrygische Mütze

Erika Plamann

„Ein Gartenzwerg darf nicht größer als 68 cm sein, muss eine rote, hohe Zipfelmütze tragen, bärtig sowie männlich und vorwiegend aus Plastik sein“, nachzulesen in den Statuten einer internationalen Vereinigung zum Schutze der Gartenzwerge.

„Ein Gartenzwerg darf nicht größer als 68 cm sein, muss eine rote, hohe Zipfelmütze tragen, bärtig sowie männlich und vorwiegend aus Plastik sein“, nachzulesen in den Statuten einer internationalen Vereinigung zum Schutze der Gartenzwerge. Die neuste Arbeit der Künstlerin Erika Plamann (geb. 1954) setzt sich genau mit diesem Objekt, einer weitverbreiteten nostalgischen Kitschfigur auseinander. Eigens für den Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses baut sie eine Installation mit Zwergenfiguren aus Wachs und Pigmenten, die in kleinen Gruppen, aber auch einzeln zu entdecken sind. Allen gemeinsam ist eine vereinfachte Form der Zipfelmütze, auch als phrygische Mütze bekannt, ein charakteristisches Bekleidungsstück der Phryger, die in der Antike im Zentrum Kleinasiens lebten.

Darüber hinaus nutzt Plamann das Stilmittel der Vervielfältigung der Objekte, um sie für neue Bedeutungszusammenhänge zu inszenieren. Sie arbeitet Massenprodukte wie zum Beispiel die Gartenzwerge zu Einzelstücken um und schafft so Originale mit einer eigenen Würde. Auch der Materialmix (Wachs und Pigmente) lässt Unikate entstehen, denen das vermeintlich Kitschige entzogen ist.


links: Erika Plamann, "Der Faule". 2023, Wachs, Pigmente, (Ausschnitt aus "Die phrygische Mütze")

 

Gerhard Marcks

Ein Zug von 100 Kranichen

Gerhard Marcks

Gerhard Marcks (1889–1981) beschäftigte sich schon als Sechzehnjähriger mit dem Motiv des Kranichs. Im Laufe seines Schaffens entstanden etliche Skizzen nach den imposanten Vögeln, daneben Druckgrafik und insgesamt fünf plastische Versionen

Gerhard Marcks (1889–1981) beschäftigte sich schon als Sechzehnjähriger mit dem Motiv des Kranichs. Im Laufe seines Schaffens entstanden etliche Skizzen nach den imposanten Vögeln, daneben Druckgrafik und insgesamt fünf plastische Versionen. Das Interesse des Bildhauers war vielschichtig. Er war ornithologisch bewandert, kannte sich mit den symbolischen Bedeutungen des Kranichs aus und schätzte vor allem dessen Form als bildhauerische Herausforderung.


links: Gerhard Marcks, Kraniche am Teich, 1957, Druckgrafik

© VG Bild-Kunst, Bonn 2024

 

Anna Franziska Schwarzbach

Alles Eisen (Arbeitstitel)

Anna Franziska Schwarzbach

Mit Anna Franziska Schwarzbach (geb. 1949) stellt das Gerhard-Marcks-Haus eine in Westdeutschland nahezu unbekannte Berliner Bildhauerin vor.

 

Mit Anna Franziska Schwarzbach (geb. 1949) stellt das Gerhard-Marcks-Haus eine in Westdeutschland nahezu unbekannte Berliner Bildhauerin vor. Aus ihrem vielseitigen Œuvre greift die Ausstellung das Thema »Eisen« als ein Material heraus, mit dem Schwarzbach ohne ein den in der DDR offiziell geförderten Künstlern zugewiesenes Bronzekontigent in Metall arbeiten konnte. Dabei bezieht sie sich einerseits auf die Brandenburger Tradition des Eisengusses, entdeckte aber andererseits in dem Material neue Möglichkeiten, Verletzung und Versehrtheit auszudrücken. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Kunstgussmuseum Lauchhammer, wo 2025 das 300-jährige Jubiläum des Eisengusses in Deutschland gefeiert wird.


links: Anna Franziska Schwarzbach, Narzis, 1991, Eisen

© VG Bild-Kunst, Bonn 2024